12. TWG-Tagung
Immer dasselbe –
immer anders?!
Datum: 14.10.2026
Ort: Tagungshaus der Berliner Stadtmission am Hauptbahnhof, Lehrter Straße 68
12. Fachtagung des Arbeitskreises Therapeutischer Wohngruppen
„Das Kernkonzept des Therapeutischen Milieus damals und heute.“
Wie gelingt professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit unter den Bedingungen von Wandel, Spezialisierung und steigenden Anforderungen? Der Fachtag stellt das therapeutische Milieu als zentrales Fundament in den Mittelpunkt und lädt dazu ein, gemeinsam Wege zu finden, um gewachsene und veränderungsbedürftige Muster zu durchbrechen.
Im Fokus stehen Beziehungskontinuität, Alltagsbegleitung und Verantwortung im pädagogischen Handeln: stabile Beziehungen in großen und fragmentierten Teams, ein sinnvoller Umgang mit Dokumentation zugunsten von Präsenz und Beziehung sowie die Stärkung von Handlungssicherheit, Konfliktkompetenz und prozessorientiertem Arbeiten.
Weitere Themen sind die Balance zwischen Individualisierung und Gemeinschaft, der konstruktive Umgang mit Konflikten sowie die Bedeutung digitaler Lebenswelten für Zugehörigkeit, Gruppe und Beziehung.
Beziehung. Alltag. Veränderung.
Zwischen therapeutischem Milieu, Beziehungskontinuität und neuen Herausforderungen in der Sozialen Arbeit.
Am Vormittag wird die Tagung mit diesen Beiträgen eröffnet:
– Prof. Silke Gahleitner (ASH Berlin), Claus-Peter Rosemeier (ehemals PFH Koralle und Gründungsmitglied AK TWG)
Konzept und Wirkfaktoren des Therapeutischen Milieus in der Jugendhilfe.
– Anna Nikitin (Ehemalige Referentin HzE beim Paritätischen)
Aktuelle Entwicklungen in der Jugendhilfe im Land Berlin – zu den Herausforderungen für Träger der stationären Jugendhilfe.
– Dr. Jakob Florack (Chefarzt der Klinik für seelische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter des St. Joseph Krankenhaus Berlin)
Gelingende Kooperation zwischen Akteur*innen der klinischen jugendpsychiatrischen Versorgung und TWG Trägern der freien Jugendhilfe.
Nach der Mittagspause erwarten Sie diese Workshops:
Workshops – Kurzbeschreibung
Die Sexualpädagogik ist in den letzten Jahren in den Konzepten der TWGen zunehmend präsenter und die Funktion der Sexualpädagog:innen professioneller geworden. In ihrer Rolle als Wissensvermittelnde (Sexualität, Beziehung, Körper, Rollenbilder) sind sie, oder können sie, die Schnittstelle zwischen Therapeut:innen und Klient:innen sein. Ihr Wirken zielt ganz Wesentlich auf die Förderung der sexuellen Selbstbestimmung (Rolle, Identität, Setzen und Erkennen von Grenzen, Konsens) ab. Im Zusammenspiel mit der Therapie kann es viele Synergieeffekte geben. Gleichzeitig wirkt sich ihre Handeln ggf. auf die Bezugsbetreuung aus. Besteht bei den Klient:innen die Gefahr der Rollenkonfusion?
In diesem Workshop wollen wir neben einem kurzen Input vor allem gemeinsam ins Gespräch kommen, wie die Funktion der Sexualpädagog:in mit festen Stellenanteilen gut in das therapeutische Milieu integriert werden kann. Welche Best Practice Modelle gibt es, welche Möglichkeiten im Sinne der Klientinnen bieten sich?
Jugendliche sind alltäglich mit der Verfügbarkeit legaler und illegaler psychotroper Substanzen konfrontiert. Es gehört zu ihren altersspezifischen Entwicklungsaufgaben, möglichst bewusste Konsumentscheidungen, einen konstruktiven Umgang damit zu erlernen. In den Herkunftsfamilien, in Schule, im Freizeitbereich sind Drogen allgegenwärtig. Junge Menschen müssen sich dazu verhalten, Probierphasen gestalten, lernen nein zu sagen.
Die Nutzer*innen unserer Wohngemeinschaften weisen aufgrund ihrer psychischen Erkrankung eine erhöhte Vulnerabilität auf. Ihr Risiko, missbräuchliche Konsummuster zu entwickeln, ist deutlich erhöht. Die Gefahr, an der Bewältigung dieser Entwicklungsaufgabe zu scheitern, ist groß. Sie benötigen hierbei besondere Unterstützung.
In dem Workshop wollen wir uns damit auseinandersetzen, wie diesen Gefährdungsaspekten im Rahmen des Therapeutischen Milieus wirksam begegnet werden kann. Leitfragen hierfür sollen sein:
– Wie können Erfahrungen mit dem Konsum im Rahmen der TWG besprechbar sein?
– Wie kann ein wirksames Risikomanagement aussehen?
– Wie kann dem Einzelfall entsprochen und zugleich den Bedürfnissen der Gruppe Rechnung getragen werden?
Moderator*innen:
Andrea Boldt (prowo)
Mario Schellong (ajb gmbh)
Im therapeutischen Milieu begegnen wir den Bedarfen unserer Klient*innen mit einem systemischen, lebensweltorientierten Blick und den unterschiedlichsten theoretischen Ansätzen – doch welche praktischen Methoden sind eigentlich wirkungsvoll und wie beeinflussen diese die pädagogische und therapeutische Arbeit?
Wir wollen verschiedene Interventionen und praktische therapeutische Übungen vorstellen, deren Wirksamkeit evaluieren und durch die Teilnehmer*innen des Workshops selbst erfahren lassen.
Der Workshop wird geleitet durch Frau Paola Alvarado (Kunsttherapeutin) und Frau Outi Turunen (systemische Familientherapeutin) aus der TWG „Zwischenbahnhof“ des CJD Berlin-Brandenburg.
Diagnosen helfen, aber reichen sie? Mehrfachdiagnosen sind keine Ausnahme mehr, sondern die Regel. Doch was, wenn die Diagnosen nicht weiter helfen?
Dieser Workshop verlässt die diagnostischen Schubladen und fragt anders: Welche Prozesse halten Probleme aufrecht – und wie lassen sie sich verändern?
Im Mittelpunkt steht ein Ansatz, der den Blick darauf richtet, was in der Arbeit wirklich hilft – unabhängig davon wie viele Diagnosen im Raum stehen.
Dabei orientieren wir uns an den Wirkfaktoren nach Klaus Grawe, insbesondere an der Bedeutung einer guten Beziehung und der Aktivierung von Ressourcen.
Wir besprechen praxisnah, was auch in komplexen Fällen hilfreich sein kann und im Alltag trägt.
Kurze Theorie, viel Austausch und direkt anwendbar.
Der Workshop „Therapeutisches Milieu im Alltag – Mikrointerventionen zwischen Frühstück und Krisengespräch“ knüpft an den Beitrag „Haltgebende Strukturen gegen das innere Chaos“ (2009) an, der die zentrale Bedeutung haltgebender Strukturen in therapeutischen Jugendwohngruppen beschreibt. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass psychisch belastete und traumatisierte Jugendliche häufig sowohl unter einem Verlust innerer als auch äußerer Strukturen leiden. Ein klar gestaltetes therapeutisches Milieu fungiert dabei als „Übergangsraum“ zwischen innerer Erlebniswelt und äußerer Realität und ermöglicht durch verlässliche Beziehungen, nachvollziehbare Regeln und strukturierte Abläufe Sicherheit, Orientierung und Entwicklung.
Im Mittelpunkt des Workshops steht die Frage, wie sich diese grundlegenden Prinzipien in den vergangenen 15 Jahren weiterentwickelt haben. Dabei richtet sich der Blick insbesondere auf die Mikrointerventionen im Alltag, also jene oft unscheinbaren, aber wirkungsvollen pädagogischen und therapeutischen Handlungen, die sich im Spannungsfeld zwischen Routine (z. B. Frühstückssituation) und Krisenintervention bewegen. Diese alltäglichen Interaktionen sind ein zentraler Bestandteil des therapeutischen Milieus und tragen maßgeblich zur Stabilisierung, Beziehungsarbeit und Förderung von Selbstwirksamkeit bei.
Emotionalinstabile Persönlichkeitsstörungen, insbesondere der Borderline-Typ, stellen in der Jugendhilfe eine zentrale Herausforderung dar, da sie häufig mit massiver Affektinstabilität, impulsivem Verhalten und instabilen Beziehungen einhergehen, die pädagogische und therapeutische Settings stark beeinflussen. Dies manifestiert sich oft bereits im Jugendalter. Fachkräfte nehmen daher eine Schlüsselrolle in Früherkennung und Stabilisierung ein. Während die Diagnose früher stark stigmatisiert und mit therapeutischem Pessimismus verbunden war, hat sich der Umgang durch evidenzbasierte Ansätze wie DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie) und MBT (Mentalisierungsbasierte Therapie) hin zu einer validierenden, entwicklungsorientierten und entstigmatisierenden Perspektive gewandelt. Dieser Vortrag zielt darauf ab, Vorbehalte abzubauen und in einem interaktiven Setting Raum für gemeinsamen Erfahrungsaus-tausch sowie die Erweiterung fachlicher Perspektiven zu schaffen.
In diesem praxisorientierten Workshop stehen zentrale Aspekte der systemischlösungsorientierten Jugendhilfe im Fokus. Nicht jedes Verhalten will sofort verändert werden. Wir betrachten Muster als Lösungsversuche und fragen: Wann hilft Würdigung – und wann braucht es Irritation? Wir laden die Teilnehmenden ein, die Balance zwischen Halt geben und Muster irritieren zu erkunden. Der Ansatz, zuerst zu verstehen, bevor Veränderungen initiiert werden, bietet eine fundierte Grundlage für die systemische Navigation im Alltag der Teamarbeit in der stationären Jugendhilfe. Fallbeispiele sollen der konkreten Näherung an das Thema dienen. Die Teilnehmenden gehen in den Austausch, wie durch achtsames Zuhören und emphatische Kommunikation ein vertrauensvolles Umfeld geschaffen werden kann, das Raum für Veränderungen ermöglicht.
Traumafolgestörungen und FASD, einzeln eine Herausforderung, beides gemeinsam eine große Belastung, dies ist Alltag für viele jungen Menschen in den Therapeutischen Wohngruppen.
Traumapädagogische und milieutherapeutische Theoriebestände können die Arbeit von FASD betroffenen jungen Menschen bereichern, müssen jedoch an die spezifischen Bedürfnisse von Menschen mit einer hirnorganischen Schädigung und entsprechenden Entwicklungshemmnissen angepasst werden. Das Verstehen und die Umsetzung pädagogischer Handlungsstrategien bei FASD und Trauma werden daher zunächst einzeln betrachtet und dann miteinander verwoben, um festzustellen, dass FASD und Trauma zusammen gedacht werden sollten und um Gemeinsamkeiten bei pädagogischen Interventionen zu entdecken. Der Inhalt des Workshops ist die gemeinsame Entwicklung einer Perspektive, die die konzeptionellen und fachlichen Grundlagen therapeutischer Wohngruppen mit wichtigen Erkenntnissen aus der Forschung und Zusammenarbeit mit FASDbetroffenen jungen Menschen vereint
11. TWG-Tagung
16. Oktober 2024
Tagungshaus der Berliner Stadtmission am Hauptbahnhof
Lehrter Str.68
10557 Berlin
BESONDERE JUGENDLICHE
BESONDERE ANGEBOTE
Immer dasselbe –
immer anders?!
PROGRAMM
09:30 Eröffnung
Der Arbeitskreis sagt Herzlich Willkommen!
Cornelia Kalk, NWiK gGmbH
Mario Schellong, ajb gmbh
10:00 Krise und die Folgen bei Jugendlichen in den TWG – Vor welchen Herausforderungen stehen das Setting und die Fachkräfte
Helmut Elle
PROWO Berlin gGmbH
11:15 Kooperation in Zeiten des Umbruchs
Dr. Yonca Izat, Chefärztin Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Vivantes
Klinikum am Friedrichshain
13:30 Workshops
AG1 Betreuung transidenter Jugendlicher in der TWG
(twg koralle, PFH Stiftung des
öffentlichen Rechts)
AG2 Lösungsorientierung oder Fragen statt sagen – vom Unterschied, der einen
Unterschied macht
(TWG Mäander, NWIK gGmbH)
AG3 Fördern oder Fordern?
Veränderungsprozesse bei Jugendlichen
mit ASS (EJF KJHV „Janusz Korczak“ )
AG4 DBT-A (Dialektisch- Behaviorale Therapie
für Adoleszente) im pädagogischer Alltag –
Hilfreiches und Grenzen
(Der Steg gGmbH)
AG5 Über das Spannungsfeld zwischen Tagesstruktur und Selbstbestimmung
Jugendliche im TWG Kontext
(TWG Heiligensee, KJHV-DZ der EJF gAG)
AG6 Achtsamkeit und Selbstsorge für
Fachkräfte und Klient*innen
(juna, kubibe)
AG7 Medienführerschein
(neuhland gGmbH)
AG8 Trauma und Sucht im TWG Kontext
Traumapädagogische Antworten.
(Sojus PROWO Berlin gGmbH;; twg koralle PFH)
AG9 Sport und Bewegung in der TJWG
(Der Steg gGmbH)
15:00 Fishbowl Berichte aus den Workshops, Ergebnisse, Verabredungen, Ausblick …
16:00 ENDE
Der Tagungsbeitrag beträgt 60 Euro.
Ein Mittagsimbiss wird bereitgestellt.